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12.09.2017 - Update: 25.03.2018
Mohammad Reza Haddadi - Unser Einzelfall

Als Jugendlicher zum Tode verurteilt, eine Neuverhandlung wurde zum wiederholten Mal abgelehnt.

Seit über 15 Jahren in Haft, 6 Hinrichtungstermine innerhalb von 9 Jahren wurden abgesagt.

Update 25.03.2018

Informationen zum gerichtlichen Verfahren von Mohammad Reza Haddadi

Bereits im Dezember 2013 oder im Januar 2014 hatte Hossein Ahmadiniaz, der Anwalt von Mohammad Reza Haddadi, nach der Novellierung des Islamischen Strafgesetzbuchs von Juni 2013 einen „Antrag auf Wiederaufnahmeverfahren“ an den Obersten Gerichtshof gestellt. Damit sollte auf Grundlage von Artikel 91 des Strafgesetzbuches erneut geprüft werden, ob der zum Tode verurteilte Jugendliche zum Tatzeitpunkt „reif genug war, das Ausmaß des Verbrechens zu verstehen“. Falls das Gericht das verneinte, würde ihm die Todesstrafe erspart bleiben.

Das Oberste Gericht verwies den Fall offenbar an das erstinstanzliche Gericht zurück. Das Gericht von Kazeroun in der Provinz Fars lehnte jedoch die Erstellung eines entsprechenden psychologischen Gutachtens im Oktober 2017 ab. Laut einer Meldung des „Center for Human Rights in Iran“ vom 31.10.2017 meinte der Richter, nach seiner Einschätzung habe der Verurteilte die erforderliche Reife besessen. Damit bleibt das Todesurteil bestehen.

Gesundheitszustand von Mohammad Reza Haddad ist sehr schlecht

Am 12. Dezember 2017 wurde von „Iran Human Rights Monitor“ ein Video veröffentlicht (https://www.youtube.com/watch?v=KyDVFIMG5fw), in dem der offenbar blinde Vater von Mohammad Reza Haddadi um Hilfe für seinen inzwischen 29 Jahre alten Sohn bittet. Er gehe ihm körperlich und seelisch schlecht, er sei krank und am Herzen und wegen eines verschluckten Rings auch am Magen operiert worden. Auch er selbst sei krank und habe kein Geld, um seinen Sohn im Gefängnis zu besuchen. Er habe keinen anderen Weg, „außer Gott und euch um Hilfe zu bitten“.

Iran will zum Tatzeitpunkt Minderjährigen hinrichten

Mohammmad Reza Haddadi, geboren 1987, befindet sich seit 2002 im Adelabad-Gefängnis in der Stadt Shiraz in Haft.Er wurde wegen eines im Alter von 15 Jahren begangenen Mordes im Januar 2006 von einem Gericht zum Tode verurteilt, obwohl er im Laufe des Prozesses sein Geständnis zurück gezogen hatte. Die Mitangeklagten bestätigten im Verfahren seine Unschuldsbeteuerungen. Es wurden bisher 6 Hinrichtungstermine angesetzt und kurzfristig wieder aufgehoben. Im Dezember hat Mohammad Reza Haddadi zum ersten Mal nach einer Novellierung des Islamischen Strafgesetzbuches von Juni 2013 einen Antrag auf Wiederaufnahmeverfahren an den Obersten Gerichtshof gestellt. Die Neuverhandlung wurde im September 2017 abgelehnt. Das Völkerrecht der Vereinten Nationen aber untersagt ausdrücklich die Hinrichtung von zum Tatzeitpunkt unter 18-jährigen Straftätern. Der Iran ist Mitglied bei den Vereinten Nationen und somit an die gemeinsamen Rechte und Pflichten gebunden.

Amnesty fordert die iranische Regierung dazu auf,

  • ihre Verpflichtungen gemäß dem Internationalen Pakt für bürgerliche und politische Rechte sowie einer UN-Resolution, in dem es heißt: dass die Todesstrafe nicht für Vergehen verhängt werden soll, die von Personen unter 18 Jahren begangen wurden, nachzukommen.
  • aus diesem Grund die Aufhebung des Todesurteils in eine Haftstrafe gegen Herrn Haddadi
  • eine Überprüfung des Falls sowie die Aussetzung von Hinrichtungsterminen

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Letzte Aktualisierung am 25.03.2018 12:52 Uhr